Kirchspiel Elnhausen EKKW

Ev.-Luth. Marien-Kirche zu WehrshausenMarien-KircheMarien-Kirche
Wehrshäuser Straße, 35041 Marburg

Die Marien-Kirche zu Wehrshausen gilt als beliebte Traukirche und wird auch von Festgemeinden von außerhalb genutzt. Bei Interesse wenden Sie sich gern an unseren Küster André Kliebisch, Telefon: 06421-350244)
E-Mail: kliebisch-kuester (@) freenet.de.

Die Marien-Kirche ist geöffnet und lädt zum Verweilen ein!
Unsere Foto-Galerie bietet Ihnen einen virtuellen Rundgang.

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Ein Ort mit Geschichte

Wer nach Wehrshausen kommt, dem fällt die zentral gelegene Marien-Kirche ins Auge. In der Regel zweiwöchentlich trifft sich in ihr die Gemeinde zum Gottesdienst. Und das schon seit Jahrhunderten. Hinzu kommen zahlreiche Festgemeinden von außerhalb, welche die heimelige Atmosphäre dieser Kirche für ihre Feste des Lebens suchen.

Am 28.04.1339 wurde die Marien-Kirche durch Ritter Werner Döring und seine Frau Mechthild von Gambach gestiftet. Sie diente einst als Wallfahrts-Kapelle für Pilger auf ihrem Weg zur Elisabeth-Kirche nach Marburg. Zu dieser Zeit war die Kirchengemeinde noch nach Michelbach eingepfarrt. Mit der Errichtung eines Hauptaltars kam es ab 1358 in Wehrshausen vermehrt zu Wallfahrten zu dem in dem Schrein des Altars aufgestellten Gnadenbild.

Eine Wallfahrt findet sich erstmals belegt im Jahre 1474. Landgraf Heinrich III. von Hessen veranlasste diese Prozession mit dem heiligen Sakrament von Marburg nach Wehrshausen, um für einen Sieg in der Neusser Fehde zu bitten.

1475 ermöglichte der Landgraf die Erweiterung des Baus. Die Baunaht zum Kirchenschiff ist heute noch gut zu erkennen. Die Kapelle wurde vermutlich um den heutigen Chor erweitert. Auf dem Schlussstein des Gewölbes sind das landgräfliche Wappen und die Jahreszahl angebracht. Ein zweiter Altar wurde errichtet und Zudem erhielt die Kirche zwei Holzstatuen des berühmten Holzschnitzers Ludwig Juppe. Die „Heilige Anna“ (1520/24) und die „Wehrshäuser Madonna“ (1523) wurden 1853 an die Elisabethkirche verkauft. Heute sind sie im Besitz des Marburger Universitätsmuseums.

Eine solche Kirche war ein Reichtum für die damals rund dreißig Bewohner von Wehrshausen. Nach kurzer Zugehörigkeit zur Pfarrkirche St.-Marien in Marburg wurde Wehrshauen im 16. Jahrhundert mit dem Ev.-.Luth. Pfarramt Elnhausen verbunden. Mit Elnhausen und Dagobertshausen bildet die Ev.-Luth. Kirchengemeinde Wehrshausen seither ein historisch gewachsenes Kirchspiel. Es gehört heute zum Kirchenkreis Marburg im Sprengel Waldeck-Marburg der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW). Propst des Sprengels ist Helmut Wöllenstein (seit 2009). Bischof ist Prof. Dr. Martin Hein (seit 2000).

Eckstein im kollektiven Gedächtnis

Eine ausführliche Darstellung der Wehrshäuser Kirchengeschichte in den letzten Jahrhunderten liefern die Beiträge von Gerhard Schütt, Gisela Konitzky und Prof. Dr. Georg Günther Blum in dem Buch „Wehrhausen bei Marburg“ (1974). Was in den letzten 36 Jahren vor Ort geschah findet sich im Archiv des Pfarramts dokumentiert. Der Versuch die jüngere Geschichte darzustellen, birgt jedoch immer das Problem der Subjektivität. Schwerpunkte werden gesetzt, die anderes ausklammern. Es braucht Zeit bis Menschen ein einheitliches kollektives Gedächtnis ihrer eigenen Geschichte entwickeln. Das Feiern der Jubiläen – so wie in diesem Jahr „750 Jahre Wehrshausen“ – sind ein wichtiger Meilenstein auf diesem Weg der Selbstvergewisserung.

Ein ausgewogenes Bild der Geschichte entsteht nicht aus der Feder einzelner Personen. Geschichte entsteht im Dialog einer Gesellschaft, die sich als Kreator, Kollektor und Korrektiv ihren eigenen historischen Sinn vergegenwärtigt. Oder anders gesagt: Jeder vor Ort wirkt an der Geschichtsschreibung mit. In Anekdoten, die man einander weiter erzählt, in gegenseitiger Anteilnahme oder im alltäglichen Klatsch und Tratsch. Geschichte entsteht beim Bier am Stammtisch, beim Schnuddeln am Gartenzaun, beim Gespräch an der Ladentheke. Geschichte ist lebendig.

Hier darf ich Zuhause sein

So hat jeder Wehrshäuser seine eigene Perspektive auf die MarienKirche. Auch Nichtmitgliedern ist sie mit Turm und Geläut eine Orientierung in Raum und Zeit. Jeder teilt seine ganz eigene Geschichte mit ihr in seinem Leben. Für uns Christen sind das neben den großen Festen im Kirchenjahr vor allem die Übergangssituation im Leben der Familie: Taufe, Konfirmation, Trauung und ihre Jubiläen – aber auch Zuflucht in Zeiten der Angst und Sorge, sowie Feier von Trauer und Abschied. Die Wahrnehmung von Kirche ist geprägt durch unsere Lebensgeschichten. Und darin liegt auch ihr wichtigster Beitrag: Ein Ort zu sein, der einen durchs Leben begleitet – eine Anlaufstelle, um die eigene Geschichte mit Gott erzählbar zu machen.

Es ist ein besonderer Schatz der Gemeinde, dass die Marien-Kirche immer offen ist. Tag für Tag. Rund um die Uhr. Das ist außergewöhnlich für eine evangelische Kirche. Doch es ist gerade diese Öffnung, die dem einladenden Charakter von Kirche Rechnung trägt. Sie ist ein Ort der Ruhe und Kraft, an den ich kommen kann, mit meiner ganz eigenen Lebensgeschichte. Eine Umfriedung inmitten der Hektik des Alltags. Ein Segen für die Seele.

Ein offener Ort für alle Menschen

Bis vor wenigen Jahrzehnten war der freie Blick auf die Marienkirche durch einen landwirtschaftlichen Hof verbaut. Erst die Umsiedlung des Hofes von Konrad Will machte den Teilerwerb des Grundstücks für die Kirche möglich. Nach Abriss von Stall und Scheune in den Jahren 1966/67 rückte die Marien-Kirche in den heutigen Mittelpunkt, wo sie umsäumt von Rasen und Rosen, zum freien Zutritt einlädt.

Die intensiven Umbaumaßnahmen bedeuteten für die Kirchengemeinde eine ernorme finanzielle Anstrengung. Seit 1970 unterhält die Kirchengemeinde zudem ein eigenes Gemeindehaus im Fohlengarten. Zur Finanzierung wurde das lokale Kirchgeld einst vorübergehend erhöht und der Kirchenvorstand führte eine Haussammlung durch. Zudem trug die Unterstützung durch die politische Gemeinde zur Realisation bei.

Die Umgestaltung ist auch ein Beleg für die damalige Tendenz, sich von der Muttergemeinde in Elnhausen lösen zu wollen. Der Wunsch nach mehr Selbstständigkeit und Gemeindebewusstsein zeigt sich auch im Gemeindeleben. 1969 wurde in Wehrshausen die erste Konfirmation gefeiert. Zudem finden vermehrt Gottesdienste statt. Pfarrer Kaiser hatte die Anzahl der Gottesdienste mit Heiligem Abendmahl bereits auf zehn im Jahr erhöht. Seit Pfarrer Prof. Dr. Georg Günther Blum finden zudem die Gottesdienste während der Advents- und Passionszeit an jedem Sonntag statt. Ein Angebot, das von der Gemeinde bis heute gerne wahrgenommen wird. Über die Hälfte aller Einwohner von Wehrshausen zählen nach wie vor zur Kirchengemeinde. Seit 1974 fanden in der Marien-Kirche ca. 1400 Gottesdienste statt. Nicht immer voll besetzt, aber immer gut besucht. Zuletzt mit einer Besucherzahl von Ø 29 Personen. Dreihundert Teilnehmer empfingen im Jahr 2009 das Sakrament des Heiligen Abendmahls. So viele wie nie zu vor. Ein eindrücklicher Beleg für eine lebendige Gemeinde.

Lebendig und kräftig und schärfer

In den letzten Jahren haben sich die Finanzzuweisungsmodelle der Landeskirche verändert. War Wehrshausen aufgrund des hohen lokalen Steuereinkommens bis in die 1990er Jahre eine wohlhabende Kirchengemeinde, so hat es der Kirchenvorstand nun seit mehreren Jahren mit einem unausgeglichenen Haushalt zu tun. Das stellt die Arbeit der Kirchengemeinde vor neue Herausforderungen. Es gilt, Schritte zu erwägen, die zwischen dem Wunsch nach Selbstbestimmung und Wahrung der eigenen Identität und der erwünschten engeren Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden vermitteln.

Der Blick in die Zukunft braucht die Ev.-Luth. Kirchengemeinde Wehrshausen nicht zu betrüben. Jede Generation stand vor der Aufgabe, dem gelebten Glauben neue Gestalt zu geben – Lebendig und kräftig und schärfer“ (Hebr. 4,12). Kirche ist immer Bau und Baustelle zugleich. In diesem Sinne ist es „ein großer Trost, den Christus seiner Kirche gibt: Du bekenne, verkündige, zeuge von mir, Ich allein aber will bauen, wo es mir gefällt. Fahr mir nicht ins Regiment. Kirche, tu du das Deine recht, dann hast du genug getan... Christus allein ist dein Herr, von seiner Gnade allein lebst du, wie du bist. Christus baut.“ (Dietrich Bonhoeffer, Predigt über Mt 16,13-18 am Sonntag zur Kirchenwahl, GS IV, 134f.).

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Zur Geschichte:

1253: Erste urkundliche Erwähnung von Wehrshausen, das kirchlich zum Sendbezirk Michelbach und zum Dekanat Kesterburg (Christenberg) im Erzbistum Main gehört.

1339: Stiftung der Kapelle durch Ritter Werner Döring und seiner Frau Mechthild von Gambach. Zum Dienst an diesen Gotteshaus wird als erster Priester Subdiakon Gerlach von Ginseldorf bestimmt.

1358: Errichtung des Hauptaltars. Urkundliche Bestätigung seiner Weihe durch den Sohn des Stifters Krafft Söring. In der Folgezeit Wallfahrten zu dem in dem Schrein des Altars aufgestellten Gnadenbild.

1474: Bittprozessionen auf Veranlassung des Landgrafen Heinrich III. mit den heiligen Sakrament von Marburg nach Wehrshausen um den Sieg in der Neußer Fehde.

1475: Umbau und Erweiterung der Kapelle durch den Landgrafen. In dem neuen spätgotischen Chor wird ein zweiter Altar errichtet, auf dem Schlussstein des Gewölbes das landgräfliche Wappen und die Jahreszahl angebracht.

1483: Heinrich III. verfügt testamentarisch Schenkung an die Kapelle.

1490: Anbau der Annen-Kapelle mit einem Altar und Schrein für ein Schnitzbild, Großmutter Jesu mit Maria und dem Kind (Anna Selbdritt).

1513: Wallfahrt von Anna von Mecklenburg, Mutter Philipps des Großmütigen und Regentin von Hessen nach Wehrshausen.

1523: Als Ersatz für das alte Marienbild schafft Ludwig Juppe für die Wehrshäuser Kapelle eine Madonna.

1526: Einführung der Reformation in Hessen durch die Synode von Homberg. Ende der Heiligen Messen in Wehrshausen. Aus der Wallfahrts-Kappelle wird die Kirche der Gemeinde Wehrshausen. Nach kurzer Zugehörigkeit zur Pfarrkirche in Marburg wird im 16. Jh. Wehrshausen mit der Ev.-Luth. Pfarrkirche in Elnhausen verbunden.

1696: Versetzung des Schreines des alten Altares auf den Altar von 1475.

1732: Renovierung der Kappelle, Abriss des alten Altars vn 1358. Neuerrichtung der im 30 jährigen Krieg zerstörten Empore und Kanzel. Nach einer Unterbrechung von 206 Jahren werden von Pfarrer Johann Philipp Volmar wieder Abendmahlsgottesdienste in der Kapelle gehalten.

1856: Wegen Baufälligkeit Errichtung von Stützpfeilern auf der Nordseite. Verkauf der Madonna und der Figur der Hl. Anna an die Elisabethkirche in Marburg. Heute befinden sich beide im Universitäts-Museum für Kunst- und Kulturgeschichte.

1882: Bau eines neuen Dachreiters.

1888: Grundlegende Renovierung der Kirche unter Pfarrer Reinhard Otto Heldmann, Entfernung der Empore, Verlegung der Kanzel, neue Verglasung der Fenster.

1955: Erneute Renovierung unter Pfarrer Karl Kaiser.

1967: Abbruch von Stall und Scheune des zur Kapelle gehörigen Hofes. Ausgestaltung des Kirchplatzes und alten Friedhofs als Grünnanlage. 1970 Bau des Gemeindehauses.

1971: Neue Glocken mit automatischer Läuteanlage.

1973: Aufstellung eines Taufsteines.

1974 und 1988: erneute Renovierung des Innenanstriches.

1976: Neues silbernes Abendmahlsgerät mit Kelch, Patene und Ziborium.

1978: Vier neue Altar- und Kanzelparamente.

1981: Einweihung der von Wolfgang Böttner erbauten Orgel.

2007-2009: Renovierung der Kirchofsmauer.

2010: Modernisierung der Wärmeversorgungsanlage in der Kirche.

2011-2012: Probeweise Stillegung und Verkauf des Gemeindehauses im Fohlengarten.

2012: 50 Jahre Küsterdienst von Heinrich Junk.

2012: Auszeichnung der Kirchengemeinde Wehrshausen durch die Stiftung Kirchenerhaltungsfonds der EKKW für das außerordentliche Engagement anlässlich der Innenrenovierung der Kirche.

2014: Innenrenovierung der Kirche.

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Literatur zur Marien-Kirche:

  • Georg Günther Blum, Die Marien-Kirche zu Wehrshausen 1339-1989. Gegenwart und Geschichte, Verlag Klaus Laaser Marburg 1989
  • Gerhard Schütt, Wehrshäuser Kirchengeschichte, in: Wilhelm A. Eckhardt (Hg.), Wehrshausen bei Marburg (Illustriert von Reinhold Gelbert), Verlag Trautvetter & Fischer Nachf., Marburg 1974, S. 95-126
  • Gisela Konitzky, Die Wehrshäuser Kirche, in: Wilhelm A. Eckhardt (Hg.), a.a.O., S. 127-138
  • Georg Günther Blum, Die evangelisch-lutherisches Kirchengemeinde Wehrshausen seit 1945, in: Wilhelm A. Eckhardt (Hg.), a.a.O., S. 139-149
  • Georg Günther Blum, Maria. Lebendiger Glaube. Die Gottesmutter der Marien-Kirche zu Wehrshausen, Verlag Klaus Laaser Marburg 1990

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